Samstag, 17. August 2013

Vietnam - Fotos!


 Nur eine kleine Auswahl - angefangen ueber den Daechern Hanois... Dort sitzen und den Verkehr beobachten war super.
 Noch schiefer und krummer als thailaendische Haeuser, aber immer noch bewohnt.

 Der Endlos-Strand in Hoi An. Mit der schoenste diesen Sommer: tuerkisfarbenes Wasser, palmengesaeumt... Der einzige Haken: eine alte, kranke Frau, die Blut in den Sand spuckte und mir eine Hoellenangst einjagte.
 Yum, yum!!! Krebs und Hummer zur Auswahl am Strand in Nha Trang. Der armen Verkaeuferin haengt das ganze kochende Zeug ueber den Schultern und sie schleppt es den ganzen Tag ueber den Strand. Aber es schmeckt!
 Saigon, endlich. Meine Lieblingsstadt in Vietnam. Hier das beruehmeste Denkmal von Ho Chi Minh.
 Propaganda funktioniert in Vietnam immer noch bestens. Plakate dieser Art sind einfach ueberall.
 Der Versuch, eine grosse buddhistische Tempelanlage zu finden, brachte uns ins chinesische Viertel Saigons. Mit chinesischen Tempeln, Versammlungshallen, Laeden... Wir erfahren spaeter, dass die Chinesen wohl mit am Aufbau der Stadt beteiligt waren und deshalb immer noch so zahlreich vertreten sind.

 In den Tiefen der Cu Chi-Tunnel. J hat es tatsaechlich ausgehalten, den ganzen unterirdischen Weg zu gehen... zu kriechen... Stickig, eng, niedrig - ich weiss immer noch nicht, wie die Vietnamesen das ausgehalten haben. Dort unten in den Schaechten gab es sogar Kuechen.
Nachdem wir Vietnam verlassen haben, hat uns unser Glueck mit dem guten Wetter verlassen. Auf dem (umstaendlichen) Weg nach Koh Chang regnet es in Dauerschleife, aber uns war dann sogar noch eine Woche Sonnenschein auf der Insel gegoennt.





Jetzt ist alles wie gehabt: Wieder zuhause in der Soi 14, Pae bekommt Zaehne, es regnet eigentlich jeden Tag, ohne Regensachen udn Mueckenspray kann man das Haus nicht mehr verlassen und ich musste auch wieder anfangen zu arbeiten :( Denkt also an mich und schickt mir Sommer- und Ferienstimmung.

Freitag, 12. Juli 2013

Onkel Ho und ich

Wie ihr schon wisst, ging es runter in den Sueden. Strand und Sonne standen an der Tagesordnung. 
Mit einem schrecklichen sleeping bus (ihr werdet das verstehen, wenn ich euch Fotos zeigen kann) fuhren wir eine ganze Nacht nach Hue - noch ohne Strand, dafuer ueber 40 Grad und ausgeliehene Fahrrader. Mit denen wollten wir zur alten Zitadelle fahren, der alten Schildkroete ueber den Kopf streichen und fuer immer mit Glueck gesegnet zu werden. Nach 2 von 10 Kilometern kam uns ein Sonnenbrand dazwischen, der aus uns in Windeseile gekochten Hummer machte. Wir verzichteten auf immerwaehrendes Glueck und fuhren zurueck. 
Gleich am naechsten Tag ging es weiter der Missiom "Strand" entgegen: Wir zogen weiter nach Hoi An. Ein wunderbares kleines Staedtchen, abends voller bunter Lampions, leckerem Essen, billigen und leckeren Mojitos und STRAND!!! Mit Palmen!!! Das Wasser war ebenfalls wunderbar.Drei Naechte blieben wir dort, dann leisteten wir uns einen Flug nach Nha Trang.
Nha Trang, das heisst: Sonne, Strandliegen, frisches Krebsfleisch, leckere Mojitos... und das alles auf russisch! Die haben dort naemlich eingezogen und praenstieren sich mit schickster Bademode am Strand. Haettet ihr diese quietschgelben kurzen Badeshorts gesehen, wuesstet ihr, was ich meine ;) 
Ewig konnten wir dort auch nicht bleiben, ausserdem hatte ich nach wie vor die Hoffnung auf ein billigeres Hotel. Wurde enttaeuscht. 
In Saigon hatten wir doch dann tatsaechlich unser teuerstes, obwohl runtergehandeltes, dafuer aber auch luxurioesestes Zimmer. Saigon war, wie sein Name schon andeutet, toll. Grosse, breite Avenuen, alte Grandhotels nach franzoesischem Vorbild, faszinierende chinesische Tempel... Wir liessen uns durch die Stadt treiben. 
Saigon heisst ja offiziell auch gar nicht mehr Saigon, sonder Ho Chi Minh City, HCMC. Ueber den guten Onkel Ho wusste ich bisher wenig, kannte nur eine kleine Anekdote aus einem meiner 68er-Seminare: Demonstrierende Studenten laufen durch die Konstanzer Niederburg, lauthals "Ho-Ho-Ho-Chi-Minh" skandierend. Ein aelterer Einwohner oeffnet sein Fenster und bruellt den Studenten entgegen: "Ho, Ho Ho Narro!". Gute Geschichte, oder? Das, was ich daraus jedenfalls schlussfolgern konnte, war das der Gute wohl ein linker Diktator sein muss - was sonst bringt einem die Bewunderung der aufgebrachten Studenten ein? Hier lerne ich, dass Ho Chi Minh der coolste Typ unter der Sonne gewesen sein muss. Sein Volk hat er nicht nur gerettet, sondern alles fuer es getan. Noch dazu war er weise und herzlich. Er hat Vietnam auf Schwung gebracht und nur deshalb geht es dem Land heute besser (was so ein Abstecher in ein politisch-historisch neutrales Museum nur bringt). 
 Von der "dem Land geht es gut"-Geschichte hoeren wir bei einem Ausflug zu den Cu Chi Tunneln mehr. Diese Tunnel liegen ca. 4 Stunden von Saigon entfernt. Bestimmt wisst ihr alle, warum die Vietnamesen Tunnel gruben, eben, um den Ami zu bekaempfen. Sie bauten winzige, niedrige Tunnel, ausgestattet mit Belueftungssystem (das war sogar so gut, dass es darin auch Kuechen gab). So konnten sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sich vor dem Feind verstecken und ihn hinterhaeltig ueberraschen. 
Unser Guide, heute 71 Jahre alt, war damals im Vietnamkrieg als Uebersetzer taetig. Seine Motivation: Auf keinen Fall eine Waffe benutzen wollen. Ihm blieben die Tunnel aber erspart. Dafuer musste er nach dem Krieg drei Jahre in ein Umerziehungslager und danach 14 Jahre auf einer Kollektivfarm schuften. Onkel Ho hat also fuer alle gesorgt. Dieser Mann ist heute trotz allem eine faszinierend froehliche Person, der leidenschaftliche Appelle an seinen Bus voller Touris gerichtet hat. Er konnte naemlich im Lauf seines Lebens feststellen, dass doch alle Menschen same-same sind. Alle weinen, wenn etwas Schreckliches passiert und alle lachen ueber schlechte Witze. Das sollen doch mal alle kapieren! Was er ausserdem ueberhaupt nicht verstuende, das seien schlechtgelaunte reiche Menschen, die immer mehr und mehr wollten. Wozu denn? - Ich kann euch auf jeden Fall sagen, die lange Busfahrt hat er sehr interessant gestaltet. Auf Fragen jeder Art hatte er eine Antwort und er erzaehlte noch viel mehr Kriegsgeschichten (die ich euch aber erspare). 
Viel laenger hielten wir es allerdings bei Onkel Ho nicht aus. Ja, die Landschaft dort ist sehr schoen. Und ich haette bestimmt noch mehr ueber den grossen Retter lernen koennen. Was uns ueberhaupt nicht gefallen hat, das waren die Vietnamesen. Unfreundlich, unhoeflich bis zum Schluss, immer nur darauf bedacht, uns alles zu verkaufen. Das war ziemlich nervig. Im ersten und einzigen Schlafbus bin ich heftig mit dem Schaffner aneinandergeraten und wenn J nicht eingegriffen haette, weiss ich nicht, wem von uns zuerst der Geduldsfaden gerissen waere. Das lag uebrigens daran, dass ich meine Schuhe nicht an der Stelle auszog, die er vorgesehen hatte. Also riss er an meinem TShirt, um mich zurueck zu ziehen. Ich reagierte entsprechend, das koennt ihr euch wohl ausmalen :) Danach wurde ich weiterhin staendig betatscht und es wurde weiter an meinen Klamotten gerissen, aber ich habe immer grosszuegug versucht, es zu ignorieren.
Urlaub sieht jedenfalls anders aus. Deshalb: Waehrend ich euch jetzt hier schreibe, bin ich uebrigens schon wieder auf heimischem Boden: Koh Chang im Golf von Thailand, noch bis Ende des Monats. Falls ihr neidisch werden wollt, werdet es nicht, hier ist Regenzeit und ab und zu regnet es. Wenn nicht, dann ist der Strand traumhaft. 
(Jetzt hab ich euch richtig zugetextet, Verzeihung! Aber mit so einem Strand vor der Tuer habt ihr erstmal Ruhe vor mir :))

Freitag, 28. Juni 2013

Your shoes, Mister1

Hanoi - einzigartig. Der Verkehr, einzigartig faszinierend. Zwar auf der rechten Seite, doch scheinbar voellig regellos. Das Gewusel auf den Strassen, die vielen Menschen. Neue traditionelle Kleidung und immer wieder diese typischen kegelfoermigen Huete. Fahrradtaxis en masse. Aber auch: Einzigartig anstrengend. Jeder will uns etwas verkaufen. Immer und staendig und ueberall. Manche fragen nur freundlich, ob man nicht in ihren Laden hineinmoechte. Andere sind aufdringlicher: Js Flipflops sind ein bisschen kaputt, die Sohle loest sich leicht. In der Schuhmacherstrasse ist er ein gesuchter Kunde, besser gesagt: Opfer. Alle schreien uns hinterher, your shoes, mister, laufen uns dann auch hinterher, um uns weiterhin schreiend auf seine Schuhe aufmersam zu machen. Staendig zerren irgendwelche Leute an mir rum, ich fuehle mich ein bisschen ueberfordert. 
Surreale Begegnung am Bahnhof. Wir ueberlegen, mit dem Zug statt Bus nach Hue zu fahren und ziehen ein Ticet, um uns in die Schlange der Wartenden einzureihen. Unsere Nummer ist erst 200 andere Kunden spaeter dran, also gehen wir geld holen und uns den Bahnhof anschauen. Auf einmal steht eine beflissene Verkaeuferin vor uns. "Where you go? I see you tae number!" "We wait. Why you ask?" "You wanna take train? I sell tickets, come" Sie zieht uns hinter sich her, wir folgen. Sie sucht uns eine Verbindung nach Hue raus, schreibt den Preis auf. wir ueberlegen kurz - da draengt sich ein alter vietnamesischer Herr mit Ellbogen zwischen mich und den Schalter. Seine Tochter rueckt nach und verpasst mir noch einen Schubs. Irritiert schauen wir uns an - wir fahren mit dem Bus, nichts wie raus!
Gefluechtet sind wir nach Hue, von wo aus ich euch schreibe. Gleich geht es nach Hoi An an den Strand, ich kann es kaum erwarten.Liebe Gruesse aus den Ferien, ich freu mich ueber Post!

Donnerstag, 20. Juni 2013

Pen und Baht

Hier in der Soi 14 sind Baht und Pen das Herz und die Seele unseres Hauses (sie sollten auch unsere Putzfrau und Waescherei sein, was aus verschiedenen Gruenden nicht klappt, die ich hier aber nicht ausfuehren kann). 
Sie sind 28 und 20 Jahre alt und Eltern der kleinen Pae, gerade einmal vier Monate alt. Ihr kennt sie schon als international Baby ;) 

Baht hat alles schon gemacht: Angeblich war er beim Militaer, er war Taxi(oder Tuk Tuk?)fahrer in Bangkok und arbeitet hier als "alles, das er kriegen kann". Er renoviert Haeuser, faellt und schneidet Baeume und ist ein Ein-Mann-Sicherheitsdienst in einem Hotel - Nachtschicht, versteht sich, ueber Tag muss er seinen anderen Arbeiten nachkommen. Er kennt alle und jeden und vor allem weiss er, wo man guten Schnaps herbekommen kann. Eine der "Kneipen" (= eine Ecke in einer noch kleineren Strasse, in der Schnaps ausgeschenkt wird) gehoert seinem Freund und regelmaessig entfuehrt er mir den J, um Papayaschnaps zu zischen. Zum Glueck darf Baht nicht viel trinken, sonst wird Pen maechtig sauer!
Pen, mit ihren zarten 20, hat einiges auf dem Buckel. Mit 11 verlor sie ihre Mutter, ihr Vater war leider mehr mit der Vielweiberei beschaeftigt als mit ihr (er hat ja auch noch 25 andere Kinder, kein Witz). Sie kommt aus Myanmar, dort ist das tatsaechlich erlaubt. Pen machte sich also auf den Weg nach Thailand. Chiang Mai liegt in Grenznaehe, so landete sie hier und fand eine Wohltaeterin (= unsere Vermieterin, die Hexe), die sie als Haushaelterin und Nanny einstellte. So duempelte ihr Leben wohl vor sich hin, bis...
...Baht auf mysterioesen Wegen wieder nach Chiang Mai kam. Unsere Vermieterin ist seine Tante und so kam es, dass er Pen auf der Arbeit sah. Er verliebte sich sofort und fuhr von da an jeden Tag mit dem Fahrrad dort vorbei, um Pen heimlich, verstohlen aus dem Augenwinkel zu beobachten (wie suuuess!). Sie anzusprechen traute er sich nicht (noch suesser!). Eines Tages fand er den Mut, ihr heimlich Blumen in ihren Fahrradkorb zu legen, natuerlich anonym. Und trotzdem: Pen wusste genau, von wem sie kamen und sprach IHN an: "Ich weiss genau, dass die Blumen von dir waren!". Baht war das so peinlich, er versank im Erdboden. Irgendwie hat er es dann aber doch noch geschafft, mit ihr zu reden, denn wie gesagt, heute ist ihre kleine Pae da. 
Pae wird von Tag zu Tag groesser und bekommt immer mehr eine eigene Persoenlichkeit. Jetzt kann sie sich schon hin und herrollen und bestimmt krabbelt sie auch bald. 
Manchmal streiten sich Pen und Baht auch. Vor allem, wenn Baht Schnaps trinkt, oder Bier mit den Nachbarn, wenn er wieder Leute einlaedt oder sich stundenlang auf der Strasse verplappert (er kennt wirklich JEDEN). Wenn es ihr zu viel wird, dann verpruegelt sie ihn (auch kein Witz). Dann bekommt er einen Tritt in den Bauch und einen Schlag gegen den Kopf oder eben gleich eine gute alte Backpfeife. Scheint hier normal, Baht erzaehlt das ab und zu. Und sogar dann lacht er!   


Baht haengt so gerne mit Justin rum, das heisst nicht nur Bier trinken auf der Strasse, sondern auch Filme schauen, Thai kochen (meeeegascharf), Badminton spielen. 

Die beiden (oder besser gesagt: Die drei) sind ein ganz schoen grosser Teil unseres Lebens hier und ich bin sehr froh, dass wir sie haben. Nun kam noch ein kleines Kaetzchen dazu, das zwar der Nachbar von gegenueber angeschleppt hat, sich aber nun nicht mehr keummern will. Sie wird hier gespeist und unterhalten. J hat sie Penelope getauft. 
Trotzdem: Der Urlaub kann kommen! Ich freu mich wie verrueckt und schicke euch verschlafene Gruesse. 

Samstag, 8. Juni 2013

Ferien koennen kommen!

Noch zwei Wochen Schule. Und: Die Auffuehrung meiner Theater AG war am Freitag und es war super! Nicht einmal stressig, sondern es hat richtig viel Spass gemacht! 
 Nach der Auffuehrung sind wir mein Regiedebuet feiern gegangen, mein riesiger Blumenstrauss war natuerlich dabei :) Er passt leider in keine Vase, deshalb ziert er nun unseren Wohnzimmerboden. 

Die Ferienplanung kann nun also richtig losgehen, es gibt auch noch sooo viel zu tun! 
Ist meine thailaendische Bankkarte nun im Ausland benutzbar? Wie lange braucht das Vietnam-Visum? Wann fliegen wir von Phnom Pen nach BKK? Wann von BKK nach CM zurueck? Wo gibt es die billigsten Fluege? Welche Staedte in Vietnam muessen wir jetzt unbedingt abklappern? War schon mal jemand in Nah Trang? Oder auf Phu Quoq? Muss Angkor Wat nun wirklich sein oder sollen wir es doch einfach am Wegesrand liegen lassen?
Auf meinem Nachttisch stapeln sich seit Wochen Reisemagazine, die nun alle auf mich warten. Falls jemand von euch schon mal in Vietnam war oder jemanden kennt oder jemanden kennt, der jemanden kennt... her mit den Tipps! Ende Juni fliegen wir auf jeden Fall nach Hanoi und dann geht es los: J und ich, ein Rucksack, eine Kamera, zwei elektronische Buecher. Momentan steht uns noch der Sinn nach ganz viel Strand, aber mein gesunder Menschenverstand fluestert mir zu: Reeegenzeit! Mal abwarten, ob das Wetter mitspielt.

Das war jetzt bestimmt alles ein bisschen konfus, aber ich bin ganz aufgeregt und voller Ferien-Vorfreude. Die neugewonnene Freiheit (und Freizeit!) steigt mir schon ein bisschen zu Kopf. Eigentlich wollte ich euch auch noch ganz viele andere Sachen erzaehlen, zum Beispiel von Pen und Baht - aber das schiebe ich einfach auf. 
Viele Gruesse aus unserem wunderbaren Chiang Mai - das nervoese Schreiber-Voegelchen drueckt euch aus der Ferne!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Mein Kuala Lumpur-Abenteuer

Wir haben nicht den besten Start, diese Stadt und ich. Am Flughafen begruessen mich streikende Bankautomaten, die mir jegliche Auszahlung verweigern. Sogar die Taxifahrer sind unfreundlich. Genervt komme ich am Hotel an und versuche der Rezeption meine missliche Lage - kein Geld - zu erklaeren und bitte sie um Hilfe bei der Loesung - Geld bekommen - meines Problems. 
Auch hier werde ich nicht verstanden und mehr oder weniger auf mein Zimmer geschickt. Auf die Frage "Okay now?" antworte ich mit einem missmutigen Schulterzucken und bin total ueberfragt. Was soll ich machen? Wie und woher an Bargeld kommen? Warum funktionieren meine Karten nicht? Soll ich 2 Tage im Hotel ausharren und mir am Montag noch ein paar Scheine von Kollegen leihen, um ueberhaupt etwas zu sehen?
Deprimiert haenge ich im Zimmer. Nun bin ich allein in der fremden Fremde. So allein und so fremd, dass ich sogar meine zur Heimat gewordene Fremde vermisse. Meine geliebte Wohnung, die Soi, unser Viertel und natuerlich den geliebten J. Ich will zurueck! 
Meine Gedanken werden vom Klingeln des Telefons unterbrochen- mein erster Anruf in einem Hotelzimmer! Der Rezeptionist hat wohl doch meine Laune registriert und bietet mir Hilfe an. Mit einem Fahrer schickt er mich nach eingaengiger Pruefung meiner Karten zu einer Bank. Es klappt! Sofort lasse ich mich zum Lot10, einem der tausend Shopping Center, fahren. Dort gibt es naemlich einen H&M. Tuetenweise Klamotten und stundenlanges Probieren spaeter habe ich ein schwarzes Shirt, eine weisse, fliessende Hose (mein ganzer Stolz!) und ein paar Sandalen, die ich schon am naechsten Tag durch ein anderes Paar ersetzen werde.

Meine Entdeckerfreude wird geweckt - schlimmer als noch am Mittag kann es sowieso nicht mehr werden. Ich mache Plaene fuer den naechsten Tag und ziehe mit vollem Tatendrang los. Bei den Hotelangestellten bin ich dank der Kartensache bekannt wie ein bunter Hund - offensichtlich hatten sie grosses Mitleid mit diesem ungluecklichen Haeufchen Elend in der Lobby. Sie geben mir Tipps, wie ich die Metro benutzen kann und wo ich hinfahren soll. 
Die Metro ist so uebersichtlich wie man es sonst nur aus Paris kennt. Ich freue mich wie ein Kuchen und schaue aus den Fenstern. Wie anders die Stadt nun aussieht! Hell, freundlich, bunt - prunkvolle Moscheen reihen sich neben verspielte hinduistische Tempel. Die Frauen hier haben normale Masse, so dass ich mir nicht die ganze Zeit wie eine Kartoffel vorkomme. Alle sind freundlich, bieten ihre Hilfe an und wollen dafuer noch nicht einmal Geld. Jetzt bin ich verliebt. 
An der Sentral Stesion steige ich aus und spaziere durch Little India. Die Schaufenster der Sarilaeden sind nett, doch ich mache mich auf den Weg zu den Petronas Towers. Mitten im Golden Triangle - damit ist das Businessviertel von KL gemeint - steige ich aus und laufe zu den Towern. Noch so was Tolles: hier kann man tatsaechlich LAUFEN! Es gibt richtige Fussgaengerwege und Fussgaengerampeln... ein Traum. Die Tower selbst beeindrucken mich da weniger. Direkt nebenan tapse ich auf der Suche nach Mittagessen in ein Shoppingcenter. 
Das malayische Essen wurde mir schon im Voraus angepriesen: Lecker, lecker und vor allem abwechlungsreicher als das thailaendische Essen auf Dauer. Es ist anders und vor allem ist es viel reichhaltiger. Bisher hatte ich immer irgendwelche Nudelgerichte, weil die extrem lecker sein sollen. Schlechte Desserts machen sie auch nicht, auf dem Rueckweg hab ich mich vor die Towers gesetzt, um ein Profiteroles abzuwickeln. 
Ansonsten, die Stadt selbst... Es gibt ueberall Tuerme (menaras), anscheinend darf sich jedes mehrstoeckige Gebaeude Turm nennen. Ueberall wird gebaut, vor allem weitere Tuerme sind in Arbeit. Die ganzen Baustellen, an denen ich vorbeitigere, kann ich kaum mit beiden Haenden zaehlen. 

Die malayische Sprache klingt etwas hart und hat fast ein bisschen was Deutsches. Das Beste ist: lateinische Schrift! Ich kann alles lesen, was auf den Schildern steht. Manche Woerter kann man sich so ganz gut herleiten, was wirklich ein tolles Gefuehl ist. 
Es ist also beschlossene Sache: KL ist mein kleines Europa in Suedostasien. Shoppingcenter an Shoppingcenter, ein ausgebautes Nahverkehrsnetz, Hochhaeuser... Trotzdem, ich muss zugeben: ich freue mich richtig auf MEIN Thailand. 

Fotos kommen noch!

Sonntag, 5. Mai 2013

Go with the flow

Ihr Lieben, nein, wir sind nicht zu Hippies mutiert. Aber, ich kann euch trotzdem was verraten: Bei uns passiert zur Zeit so gut wie gar nichts. Wir wurden nicht mehr abgezockt, mussten uns ueber nichts aergern, die Mopeds sind nach einem Batterietausch beide wieder wie neu...
Wir geniessen das Leben hier, auch wenn es in den letzten zwei Wochen mit Arbeit zugepflastert war.  Trotzdem waren wir oft aus, in verschiedenen Restaurants, neue Garkuechen ausprobieren, auf der Suche nach dem besten Cocktail der Stadt.
J spielt jetzt in einem Internationalen Basketballteam  mit ziemlich netten Leuten von ueberall her. Ich spiele zwar nicht (nachdem ich erneut feststellen konnte, dass Ballsportarten in einem Team, in dem alle besser, schneller und groesser als ich sind, nichts fuer mich ist), aber ich gehe gerne mit essen oder was trinken oder ins Kino...
Auch das Leben im Haus hat sich ein bisschen veraendert. Pen und But, unsere Concierges, sind nach einer spontanen Kuendigung ebenso spontan wieder aufgetaucht und sind seitdem sehr offen, hilfsbereit und lustig. Ihr Baby, die kleine Ba, wird dicker und groesser und holt die paar Kilos auf, die ihr wegen der Fruehgeburt noch fehlten. Sie wird immer lebhafter und man hoert sie auch des oefteren mal kraeftig schreien, vor allem wenn sie Hunger hat. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, mache ich Fotos von ihr, damit Pen und But Erinnerungen haben (mit gerade einmal 200 Euro Gehalt im Monat hat man solche Dinge wie einen Fotoapparat nun mal nicht). Manchmal sind nachmittags alle da und wir haben eine Art Zusammenkunft vorm Haus: Unser Internationales Baby liegt dann in der Wiege und schnarcht oder bekommt deutsche Geschichten ins Ohr gefluestert, But spielt Federball, immer auf der Suche nach dem naechsten Gegner, die Amerikanerinnen stehen drumrum und lassen sich hin und wieder einspannen, Pen versorgt uns mit Mandarinen und wedelt mit einer Fliegenklatsche die Fliegen vom Babykoepfchen weg.

Ueber was sollte ich mich also hier beschweren? Ausser ueber zu viel Arbeit? Naja, daran koennt ihr auch nichts aendern und ich gerade auch nciht und ausserdem ist gerade ein langes Wochenende (Kroenungstag!)
Mein groesstes Problem zur Zeit ist es, Klamotten zu finden. Alle Shirts hier sind so weit geschnitten. Nun sind aber auch meine Hosen weit. Zum Einen, weil es Stoffhosen sind, die gar nicht so eng anliegen koennen wie ne Jeans, zum Andern, weil Kickboxen ne ganz schoene Figur macht. Stellt euch jetzt bloss nicht vor, dass ich auf einmal schlank und gutaussehend bin, das nicht, aber immerhin wurden mir meine Hosen zu gross - was ich zur Zeit doch auch ein bisschen als Nachteil betrachte. Naja. was ich eigentlich sagen wollte: weite Hose + weites Shirt = zu weit. Also soll was anderes her und ich bin immer noch auf der Suche. Falls einer Stylingvorschlaege hat - per mail an mich! Bedenkt dabei nur, dass wir quasi durchgehend 30 Grad haben und dadurch einiges rausfaellt.
Was freu ich mich auf den deutschen Herbst und bunte Blaetter und bunte Strumpfhosen und Kleider und dann einen deutschen Winter mit noch mehr Strumpfhosen und dicken Jacken und Strick und .... auf euch :)
Liebe Gruesse von unserem kleine suedostasiatischen Teil. Fuehlt euch gedrueckt!

Donnerstag, 11. April 2013

Heiss, heisser... und noch heisser!!!

Ich weiss, bei euch lassen Fruehling, Sonnenschein und Waerme auf sich warten.
Je heisser es bei uns wird, desto neidischer bin ich auf euern hartnaeckigen Winter!!! Mittlerweile sind 40 - 42 Grad tagsueber die Regel. Hhhhmmm, denkt ihr euch jetzt, was macht man denn da so? Naja - wenig. Man verbringt viel Zeit zuhause unter der Klimaanlage (bei uns liebevoll die "Klimi"), am Pool oder anderweitig mit suessem Nichtstun. Ich weiss, nichts entschuldigt Faulheit, aber es geht tatsaechlich nicht anders. Die Langsamkeit kehrt sozusagen in den Alltag ein. Heisst es nicht immer, dass man sein Leben entschleunigen soll, das Multitasking aufgeben soll, um ein entspannter, gluecklich-zufriedener Mensch sein zu koennen? Der Umkehrschluss waere also, dass wir gluecklich und zufrieden sind :) Ich muss zugeben: Schlecht geht es uns nicht gerade.

In den gerade vergangenen Osterferien haben wir quasi die ganze Gegend um Chiang Mai herum erkundet. Den weissen Tempel in Chiang Rai bestaunt, die Fuesse in den Mekong gehaengt, uns Drogenschmuggelgeschichten aus alten, angeblich laengst vergangenen Zeiten des Goldenen Dreiecks erzaehlen lassen, die zahlreichen Casinos am Fluss entlang bestaunt (in denen es natuerlich NUR legal zugeht) und einige Tage in Pai verbracht.

Pai ist nur "762 Kurven" von Chiang Mai entfernt und liegt etwas noerdlicher. Als "Aussteiger-Paradies" wurde es bekannt. Das oeffentliche Kiffen war strengstens erlaubt und genug Stoff muss es wohl auch gegeben haben. Heute ist das oeffentliche Kiffen strengstens untersagt und alles was es dort gibt ist ein Hotel nach dem anderen. Gross angepriesen wird die Tour rund um die Stadt, fuer die wir uns Mopeds gemietet haben. Eine Katastrophe, sag ich euch!!! Der schlimmste Ausflug!!! Nicht dass manche unter uns Unfaelle gehabt haetten, nein, die Umgebung war einfach nur Schrott. Mini-Wasserfall neben Minibruecke aus dem zweiten Weltkrieg und ein angeblich chinesisches Dorf... So ging es fast den ganzen Tag und ich war mehr als froh, als wir die Rueckfahrt zum Hotel angetreten haben. Das wiederum war richtig schoen: Putzige kleine Huetten (mit Strom und Wasser ;)), idyllisch in einem tropischen Garten gelegen, mit einem leckeren Restaurant.

Gegessen haben wir uebrigens die ganzen zwei Wochen richtig gut. Unser Klassiker, burmesisches Essen stand wieder auf der Karte (wo sonst gibt es so ein leckeres HinLay Curry OHNE zu viel Chili???). Im RiverMarket waren wir zum ersten Mal in diesen Ferien, dafuer dann gleich mehrmals. Die haben da modernes Thai-Essen in Varianten, die eben nicht alltaeglich sind. Mein Lieblingsessen dort ist der rohe Thunfisch mit Sesam und Soyasauce und Chili... das koennte ich jeden Tag essen :)

Uns gehts nicht anders als euch, die Ferien sind wieder vorbei. Obwohl... und geht es doch anders! Songkran, der wichtigste thailaendische Feiertag steht vor der Tuer. Das ist sowas wie unser Silvester und Neujahr. Nur dass es insgesamt 5 Tage dauert und man ueberall in der Stadt mit Wasser vollgespritzt wird. Mit Wasserpistolen, Eimern und was weiss ich. Manchmal wohl auch mit Farebe. Wir werden sehen ;) Da wir dann vermutlich nicht mehr mit de Mopeds fahren koennen, haben wir Wasser fuer die naechsten Tage auf Vorrat abgeschafft und hochgeschleppt. Nachher wird meine Kamera noch wasserdicht verpackt und dann gehts los!
Naechste Woche gibts Fotos. Lasst was von euch hoeren - von Neuigkeiten aus Europa kann ich nie genug bekommen.